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Birgit Schopen
Tierärzte sind auch nur Menschen
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Wir möchten an dieser Stelle ganz sicher nicht alle Tierärzte verteufeln, aber die leidvollen Erfahrungen, die wir machen mussten, haben unser Vertrauen in diese Berufsgruppe empfindlich gestört.
Bis zu dem Moment, wo Nino bei uns einzog, war unsere Welt noch in Ordnung. Eine Tierarztpraxis sahen wir nur zum jährlichen Impfen und evtl. mal für eine Zahnbehandlung. Dann jedoch, als mit Nino auch der Katzenschnupfen bei uns Einzug hielt, nahm das Schicksal seinen Lauf. Obwohl unsere anderen 3 Katzen regelmäßig gegen Katzenseuche und -schnupfen geimpft waren, wurden allesamt innerhalb weniger Tage angesteckt. Von einem Tag zum anderen hatten wir plötzlich vier kranke Samtpfoten. Außer den entzündeten Augen und dem Niesen, was alle befallen hatte, bekam Mandy noch eine Blasen- und Gismo eine Halsentzündung. Unser damaliger Tierarzt griff zu Spritzen und bestellte uns für die nächste Woche erneut. Unser Gismo, der wohl am stärksten betroffen war, verweigerte aufgrund der Halsschmerzen jede Nahrung und trank auch nicht mehr. Also fuhren wir mit ihm zum Notdienst, wo er eine Spritze und Tropfen gegen die Halsentzündung bekam. Die Tropfen waren natürlich sehr sinnvoll, da Gismo ja nichts zu sich nahm. Wir wurden durch den Notdienst darauf hingewiesen, dass wir Gismo per Tropf ernähren lassen müssten, wenn er bis montags nichts frisst. Wie nicht anders zu erwarten, verweigerte Gismo weiterhin konsequent jede Nahrungsaufnahme und war durch nichts zum Futtern oder Trinken zu bewegen. Also gingen wir montags wieder zu unserem Tierarzt, der sofort einen Tropf fertig machte. Wir beide hatten inzwischen Urlaub eingereicht um uns voll und ganz um unsere Schätze kümmern zu können. Nun, jedenfalls hat Gismo den Tropf geduldig ertragen und erholte sich während der Behandlung zusehends. Man konnte förmlich sehen, wie langsam seine Kräfte wieder zurückkehrten. Als der Tierarzt ihn sah, meinte er nur, das sähe ja sehr gut aus und legte, wie er wörtlich sagte, noch ein paar Vitamine nach. Wie man vorher sehen konnte, wie Gismo seine Kraft zurück erlangte, so sah man dann innerhalb weniger Minuten, wie er kraftlos in sich zusammen sank und zu röcheln begann. Das war einer der hilflosesten Momente in unserem Leben. Das betretene Gesicht des Tierarztes und dessen Versuch, Gismo mit einer Spritze wieder auf die Beine zu helfen, taten ein Übriges. Ab da begann Gismo's Leidensweg. Er musste sich noch 3 Tage quälen, bevor er endlich in unseren Armen seinen Frieden fand. Wie oft wir bis dahin noch diesen Tierarzt aufgesucht hatten, können wir nicht mehr sagen. Wir hatten unser gesamtes Leben in unser Wohnzimmer verlegt um immer bei Gismo sein zu können, geschlafen haben wir schichtweise oder auch gar nicht. Wie wir erst später von einer Tierärztin, zu der wir dann gewechselt waren, erfuhren, war Gismo über den Tropf schlicht zu viel Flüssigkeit zugeführt worden, die sich dann den Weg des geringsten Widerstandes, nämlich in seine Lunge, gebahnt hatte. Nichts und niemand hätte ihn mehr retten können, er wurde einfach innerlich ertränkt. Wäre der Tierarzt so ehrlich gewesen und hätte seinen Fehler eingestanden, anstatt uns immer weiter Hoffnung zu machen, so hätten wir Gismo wenigstens seine letzten qualvollen Tage ersparen können.
Dann nach 1 1/2 Jahren erwischte es unseren Donny. Es begann damit, dass er aus unerklärlichem Grund von der höchsten Plattform des Kratzbaums stürzte. Es wurde eine Verstauchung des Hinterbeinchens diagnostiziert und eine Spritze gegen die Schmerzen verabreicht. Das ging dann ein paar Tage gut, bis Donny plötzlich beide Hinterbeine nicht mehr bewegen konnte und sich nur mit den Vorderbeinen durch die Wohnung schleppte. Nun wurde er geröntgt, und es wurde festgestellt, dass er sich bei dem Sturz die Hüfte gebrochen hatte. Das wäre aber an sich nicht so schlimm gewesen, aber was bei der Untersuchung noch festgestellt wurde, haute uns um. Donny's Herz war doppelt so groß wie bei seinen Artgenossen und hatte dunkle Flecken. Wieder begann eine Zeit des Hoffens und Bangens. Mal lief Donny ganz normal umher, mal versagten wieder die Beine. In einem Buch über Katzenkrankheiten las ich dann, dass durch bestimmte Herzerkrankungen auch eine Lähmung der Hinterbeine ausgelöst werden kann. Als ich das der Ärztin am Telefon mitteilte, meinte sie, dass ihr diese Idee auch soeben gekommen sei. Inzwischen war das Ergebnis der Blutuntersuchung eingetroffen, mit der niederschmetternden Diagnose, dass Donny Tumore am Herzen hatte. Da er nach Aussage der Ärztin keine Schmerzen litt und durchaus noch mehrere Jahre gut leben konnte, beschlossen wir, ihm den Rest seines Lebens so schön wie möglich zu machen. Zwei Monate später hat er uns für immer verlassen.
Bei unserem Tommy dann wurde bei der Kastration festgestellt, dass nur ein Hoden am richtigen Platz war und der andere noch im Bauchraum sein musste. Also wurde mittels Bauchschnitt nach dem innenliegenden Hoden gesucht - erfolglos. Uns wurde erklärt, dass er nur einen Hoden habe, weiter nichts. Hätten wir damals schon gewusst, was wir heute wissen...... Jedenfalls wurde Tommy mit zunehmendem Alter immer aggressiver gegenüber Mandy. Auch zu uns war er manchmal mehr als unfreundlich, ein richtiger Stinkstiefel eben. Sein Verhalten gegenüber Mandy steigerte sich jedoch derart, dass die beiden nicht mehr allein gelassen werden konnten, er ging Mandy regelrecht an die Kehle und sie ließ alles unter sich gehen. Alle Rückfragen bei der Tierärztin wurden offenbar nicht ernst genommen, denn man schickte uns mit Bachblüten, Felifriend und Feliway wieder nach Hause. Monate vergingen und es wurde immer schlimmer statt besser. Durch Kontakt mit einer Züchterin erfuhren wir dann, dass ein Kater immer zwei Hoden hat und der innenliegende auf jeden Fall noch da sein müsse. Dies würde auch sein "katriges" Verhalten erklären. Nachdem man Tommy dann in einer Tierklinik Blut abgenommen hatte um es auf Testosteron zu untersuchen, stellte man, oh Wunder, fest, dass der Hoden im Bauchraum von Hand zu ertasten war. Zwar wütend über die unnötige Blutentnahme, aber hoffnungsvoll, der Ursache des Übels endlich auf den Grund gekommen zu sein, machten wir einen Termin für die zweite Kastration. Wohlgemerkt, wir werfen unserer Tierärztin nicht vor, dass sie den Hoden beim ersten Mal nicht gefunden hat, das kann vielleicht passieren. Aber, sie hätte uns sagen müssen, dass wir das im Auge behalten und später nochmals kontrollieren müssten. Na jedenfalls änderte sich an Tommy's Verhalten auch nach dieser Operation nichts, nach wie vor war er hinter Mandy her. Nachdem aus tierärztlicher Ecke keine weiteren Ratschläge mehr kamen, ließen wir Tommy's Blut auf evtl. noch vorhandenes Testosteron untersuchen und machten einen Schilddrüsencheck. Leider war beides ohne Befund. Die Tierärztin äußerte nun den Verdacht auf einen Hirntumor, riet aber aus Kostengründen und aufgrund der schwierigen Verfahrensweise bei Katzen davon ab, dies untersuchen zu lassen. Stattdessen empfahl sie uns, weil wir selbst schon auf dem Zahnfleisch gingen, Tommy in andere Hände zu geben. Aufgrund der Ausweglosigkeit der Situation und, weil wir Mandy und Tommy unmöglich zusammen lassen konnten, taten wir dann diesen schweren Schritt und gaben Tommy in eine Pflegefamilie. Wir konnten sein Gesicht nicht vergessen, wie er uns ansah, als wir ihn dort zurückließen und haben gelitten ohne Ende. Bis der rettende Einfall kam. Wir beschlossen, unsere Wohnung kurzerhand mit Glastüren auszustatten, so dass wir Mandy und Tommy trennen können, die anderen Katzen sich aber aussuchen können, in welcher Wohnungshälfte sie gerade sein möchten. Kaum war dieser Gedanke gefasst, haben wir Tommy nach 2 Tagen wieder nach Hause geholt. Und.... es klappt genau so, wie wir es uns vorgestellt haben. Tommy und Mandy sehen sich nur durch die Glastüren und alle anderen wechseln die Seiten nach Belieben. So sind weder Mandy noch Tommy allein.
Nur am Rande sei erwähnt, dass Jerry (ein Kater, den wir in Frauchens Urlaub betreuten), der laut Tierarzt gar nicht schwer krank war und ohne Probleme wieder auf die Beine kommen würde, bereits tot war, als diese frohe Botschaft als Ergebnis einer Blutuntersuchung verkündet wurde.
Wir haben es uns hier erspart, die "Kleinigkeiten" wie falsche Anweisungen, nicht zu stoppende Blutung nach Kastration usw. hier zu erwähnen.
Ach ja, und da war ja auch noch meine Freundin. Auch sie musste mit einer Tierärztin leidvolle Erfahrung machen, als ihre Dackelin Hexe krank wurde. Nach einer Weile, wo dem Tierchen Medikamente verabreicht worden waren und es dem Tier immer schlechter ging, haben wir abends erneut die Tierärztin aufgesucht. Im Behandlungsraum, wo Hexe völlig fertig auf dem Tisch lag und logischerweise vor Angst zitterte, tobte der kleine Sohn der Tierärztin und grabbelte ständig an Hexe rum. Erst, als wir die Dame baten, doch dafür zu sorgen, dass das Kind den Hund in Ruhe lassen solle, bat sie ihn, in einem Nebenraum zu warten. Mit sorgenvollem Gesicht verabreichte sie Hexe eine Spritze und beraumte für den nächsten Morgen eine Operation an, da die Gebärmutter entzündet und vereitert sei. Wir zogen dann mit dem, wie wir heute wissen, todkranken Tier wieder ab. Die Operation kam zu spät, Hexe hat den nächsten Morgen nicht mehr erlebt und ist in ihrem Körbchen friedlich eingeschlafen. Bei richtiger Diagnose und entsprechender Behandlung hätte Hexe noch ein schönes Hundeleben vor sich gehabt.
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